Demokratie unter Druck – Wenn Hass zur Waffe wird
Einleitung
Unsere Demokratie lebt vom Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Sie lebt davon, dass Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – sei es als Kommunalpolitiker:in, als Lehrkraft, Journalist:in oder einfach als aktiver Teil der Gesellschaft. Doch genau dieses Engagement wird zunehmend bedroht – durch Hass, Hetze, Einschüchterung und Gewalt.
Was lange als Randerscheinung galt, ist heute Realität: Immer mehr Menschen werden zum Ziel aggressiver Angriffe – online wie offline. Eine neue Studie zeigt nun das Ausmaß dieser Entwicklung. Und die Betroffenen berichten von existenziellen Ängsten.
Wer betroffen ist – und warum
Kommunalpolitiker:innen und Mandatsträger:innen
Mehr als 60 % der befragten Politiker:innen in einer aktuellen Studie gaben an, bereits Opfer von Gewalt oder massiver Aggression geworden zu sein. Besonders betroffen sind jene, die sich für Integration, Gleichstellung oder Klimaschutz einsetzen. Viele ziehen sich zurück, meiden Veranstaltungen oder äußern sich nicht mehr zu bestimmten Themen. So wird das Fundament der Demokratie geschwächt.
„Ich gehe weniger zu Veranstaltungen. Ich äußere mich nicht mehr öffentlich zu heiklen Themen.“ – anonyme Umfrageantwort
Lehrkräfte und Bildungseinrichtungen
Auch in Schulen zeigt sich eine beunruhigende Entwicklung: Rechtsextreme Einstellungen werden offen geäußert, Lehrer:innen und Schüler:innen, die sich demokratisch engagieren, werden eingeschüchtert. In Teilen Ostdeutschlands verlassen Pädagog:innen ihren Arbeitsplatz aus Angst um ihre Sicherheit.
Journalist:innen
Pressevertreter:innen, insbesondere im Lokaljournalismus, werden beschimpft, bedroht oder tätlich angegriffen. Die Pressefreiheit ist eine der Säulen unserer Demokratie – und sie gerät ins Wanken.
Bürger:innen im Alltag
Manchmal reicht ein Sticker, ein LGBTQ+-Symbol oder ein schlichtes Statement auf Social Media – und Menschen werden zur Zielscheibe von Hass und Anfeindung. Unsere offene Gesellschaft ist gefährdet, wenn Meinung nicht mehr frei geäußert werden kann.
Fallbeispiele: Stimmen aus dem echten Leben
Stefanie von Berg (Grüne, Hamburg)
Wurde zur Zielscheibe, nachdem ein Redebeitrag aus dem Kontext gerissen und von der AfD verbreitet wurde. Sie erhielt Vergewaltigungsdrohungen, wurde beschimpft, psychisch zermürbt. Bis heute wird sie regelmäßig angegriffen.
„Es fühlt sich an, als würde man innerlich ausgehöhlt.“ – Stefanie von Berg
Dirk Neubauer (SPD, Ex-Landrat in Mittelsachsen)
Musste sein Amt aufgeben, weil er und seine Familie systematisch überwacht und bedroht wurden. Niemand schützte ihn rechtzeitig.
„Ich habe aufgegeben, weil zu viele geschwiegen haben.“ – Dirk Neubauer
Taibe Chori (Friseurmeisterin, Kandidatin für die Grünen)
Trotz der Drohkulisse will sie in die Politik. Ihre Geschichte zeigt: Der Mut ist noch da – aber er braucht Rückhalt.
„Ich sehe mich als Antwort – mit Mut und Entschlossenheit.“ – Taibe Chori
Studienlage – das Dunkelfeld wird sichtbar
Die Dunkelfeldstudie 2025 des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen ist die erste umfassende Erhebung zur Gewalt gegen Politiker:innen auf kommunaler und Landesebene. Sie zeigt:
Mehr als 60 % der Befragten wurden bereits angegriffen.
Nur 13 % der schwerwiegendsten Vorfälle wurden überhaupt zur Anzeige gebracht.
Betroffen sind insbesondere Menschen, die für soziale Gerechtigkeit und Minderheitenrechte eintreten.
Parallelen zur Geschichte – Eine gefährliche Verschiebung
Schon einmal wurde in Deutschland das Sagbare verschoben – und schließlich das Machbare. Wenn demokratische Institutionen schweigen, wenn Einschüchterung akzeptiert wird, wenn Extremismus verharmlost wird, dann gerät das Fundament unserer Gesellschaft ins Wanken.
„Es beginnt mit Worten – und endet nicht selten mit Gewalt.“
Was wir tun können
Solidarität zeigen: Wir müssen Betroffenen öffentlich beistehen.
Hinschauen und benennen: Nicht schweigen, nicht relativieren.
Wissen teilen: Aufklären über Mechanismen von Radikalisierung, Propaganda und Desinformation.
Demokratische Räume schützen: Schulen, Rathäuser, Parlamente und digitale Räume dürfen keine Zonen der Angst werden.
Zivilgesellschaft stärken: Beratungsstellen, Meldesysteme, Prävention fördern und sichtbar machen.
Video-Empfehlung
📺 „Hass und Gewalt gegen Politiker – Neue Studie enthüllt alarmierende Zahlen“
Ein bewegendes Video mit Berichten von Betroffenen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und einem klaren Appell an uns alle.
Unser Fazit
Demokratie ist nicht selbstverständlich. Sie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen – und von einer Gesellschaft, die sie schützt. Wenn wir schweigen, überlassen wir das Feld denen, die mit Hass und Gewalt regieren wollen. Jetzt ist die Zeit, laut zu sein – für Respekt, Vielfalt und Zusammenhalt.
Wer schweigt, macht mit. Wer laut bleibt, macht Mut.
📚 Quellenverzeichnis
📰 Medienberichte
NDR Panorama
Hass und Gewalt gegen Politiker: Neue Studie enthüllt alarmierende Zahlen (Video + Bericht)
ndr.deMDR
Hass auf Kommunalpolitiker: Wie Betroffene Hilfe finden
mdr.deDeutsche Welle (DW)
Lehrkräfte weichen vor Rechtsextremismus – Besonders betroffen: Ostdeutschland
dw.comn-tv
Thüringer Grüne senden Hilferuf – Massive Bedrohungen im Kommunalwahlkampf
n-tv.deTagesschau.de
Politiker in der Zielscheibe – Wo Hass in Gewalt umschlägt
tagesschau.de
🔍 Studien und offizielle Daten
Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN)
Studie „Gewalt gegen Amts- und Mandatsträgerinnen – Dunkelfeldstudie 2024/25“*
www.kfn.deDeutscher Bundestag – Wissenschaftlicher Dienst
Gewalt gegen Politikerinnen und Politiker – Zahlen und Einordnung
bundestag.deBMI – Bundesministerium des Innern
Politisch motivierte Kriminalität 2023 – Jahresbericht
bmi.bund.deAmadeu Antonio Stiftung
Bedrohte Vielfalt – Kommunalpolitikerinnen im Visier von Hass und Gewalt (2023)*
amadeu-antonio-stiftung.de
🎥 Videoquellen
Panorama / NDR Doku
Hass und Gewalt gegen Politiker – Neue Studie offenbart das Ausmaß (YouTube)
YouTube-Link zum VideoZDF frontal
Demokratie in Gefahr – Wie rechtsextreme Netzwerke Angst säen
zdf.deARD Monitor
Angriffe auf Politikerinnen – Wenn das Ehrenamt zur Gefahr wird
ardmediathek.de
📖 Weiterführende Literatur
Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)
Populismusbarometer 2023 – Wie sich die politische Stimmung verändert
bertelsmann-stiftung.deStiftung Neue Verantwortung
Desinformation im Netz – Wie gezielte Meinungsmache Demokratien gefährdet
stiftung-nv.de
